Meißen – Wein, Porzellan und lebendige Geschichte

Wer nicht in Meißen war, kennt Sachsen nicht. Die malerische Stadt an der Elbe, nur eine halbe Autostunde von Dresden entfernt, beherbergt eine Fülle von Attraktionen, die zu den touristischen Höhepunkten des Landes gehören. Schon das Bild der Altstadt präsentiert sich wie aus dem Märchenbuch: Jahrhundertealte Häuser mit schönen Sandsteinportalen und ziegelroten Dächern schmiegen sich entlang schmaler Straßen und verwinkelter Gassen in eine linkselbische Talweitung. Hoch oben und weithin sichtbar der Burgberg – bekrönt von den Türmen des berühmten Doms.
Zu Recht wird Meißen als die Wiege Sachsens bezeichnet, denn im Jahre 929 gründete hier König Heinrich I. eine erste Wehranlage als Vorposten für die Ausweitung der deutschen Herrschaft im Sorbengebiet an der Elbe. Der Dom beeindruckt vor allem durch die schlichte, strenge Schönheit der hochgotischen Bauformen. Er beherbergt zahlreiche hochrangige Kunstwerke– von den Bronzegrabplatten wettinischer Herrscher in der Fürstenkapelle bis zu den Heiligen- und Stifterfiguren aus der Werkstatt des Naumburger Meisters im Hohen Chor, die zu den wichtigsten Bildwerken der Zeit um 1260 in Deutschland gehören. – Die zwischen 1471 und 1524 an der Elbfront des Bergplateaus erbaute
Meißens bekannteste Attraktion ist unbestritten die Porzellan-Manufaktur Meißen mit dem Markenzeichen »Gekreuzte Schwerter«. Das »Weiße Gold«, das hier entsteht und von Meisterhand bemalt wird, wurde 1708/09 von Johann Friedrich Böttger erfunden. Der Siegeszug des »Weißen Goldes« ging bald durch ganz Europa und nach Übersee. Für alle Freunde dieser Kunstwerke ist es ein besonderer Höhepunkt, den Ursprungsort des Porzellans kennen zu lernen. Das Porzellanmuseum der Manufaktur zählt daher zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in weitem Umkreis.
Meißen hat nicht nur historisch einiges zu bieten, die Stadt blickt auch auf eine lange Weinbautradition zurück. Es ist nachgewiesen, dass schon seit über 800 Jahren Wein in der Gegend um Meißen angebaut wird. Der Anbau des Weines ist hier riskanter als anderswo, denn der Boden in den nach Süden geneigten Hang- und Steillagen speichert zwar die Sonnenwärme optimal, sodass die sommerlichen Durchschnittstemperaturen hier immer etwas über denen des Umlands liegen. Doch kalte Winter schaden den Weinstöcken, und auch Spätfröste mindern bisweilen empfindlich die Erträge. Die beste Gelegenheit, den sächsischen Wein kennen zu lernen, ergibt sich auf der 55 Kilometer langen »Sächsischen Weinstraße«, die entlang der Elbe von Pirna über Dresden, Radebeul und Meißen bis Diesbar-Seußlitz verläuft. Begleitet wird sie vom Sächsischen Weinwanderweg; direkt in der Meißener Gegend empfiehlt sich besonders eine Wanderung durchs Spaargebirge oder – elbabwärts über Proschwitz und Zadel – nach Diesbar-Seußlitz. »Tage des offenen Weinguts« im Spätsommer und Wein- und Winzerfeste im Herbst locken jedes Jahr Tausende Weinliebhaber in die Meißener Region. Für jene, die Sächsischen Wein nicht nur trinken, sondern mehr über seine Geschichte und seine Erzeugung erfahren wollen, empfiehlt sich der direkte Kontakt zu den Weinerzeugern bei einer Weinprobe, Kellerführung oder Weinbergswanderung.

